Tröstliche Sonntagspredigt von Bischof Felix Genn

Über eine biblische Geschichte, die „viele Fragen aufwirft, aber auch Trost zu spenden vermag“, hat am 29. März Bischof Dr. Felix Genn gepredigt und daraus Tröstliches für die gegenwärtige Situation abgeleitet. Der Bischof äußerte sich während einer Heiligen Messe im St.-Paulus-Dom Münster. Dabei waren wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus keine Besucherinnen und Besucher anwesend. Die Messe wurde aber vom Bistum Münster online live übertragen.

Das Evangelium des Sonntags, den die Kirche als Passionssonntag begeht, schilderte die Auferweckung des jungen Lazarus von den Toten durch Jesus Christus. Die Erzählung passe in die aktuelle, von der Corona-Krise geprägt Situation: „Die Macht des Todes ist spürbar in der ganzen Welt, die Fesseln des Todes umringen auch uns“, sagte der Bischof und ergänzte: „Isolation ist auch einen Form des Todes und des Sterbens. Ein wenig spüren wir das, trotz allem, was wir vermögen und können.“

Bei der Frage, wie Trost in dieser Situation gelingen könne, verwies Genn auf die Schwestern des Lazarus. Deren Anfrage an Jesus „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre er nicht gestorben“ entspreche der Frage vieler Menschen, wo Gott im Hier und Heute sei. 

Das Evangelium stelle sich dieser Frage. Mit der Auferweckung des Lazarus wolle Jesus seine Botschaft von der Auferstehung unterstreichen, er wolle „zum Glauben wecken und sagen: Ja, ich bin da, und ich bin so da, dass ihr nicht auf Dauer im Tod bleibt.“ Jesus sei da, um die Fesseln des Todes zu lösen, das begingen Christen an Ostern.

Wie Lazarus‘ Schwestern frage Jesus alle Menschen, ob sie das glauben. „Sich darauf einzulassen ist die Herausforderung in dieser Stunde“, sagte der Bischof. Jesus habe die Macht des Todes mit göttlicher Kraft gebrochen, aber nicht, in dem er mit einem Fingerschnippen das Paradies geschaffen habe, sondern „indem er selbst in den Abgrund des Todes hineingeht.“

Dass Jesus selbst erschüttert sei, weil der Mensch dem Tod ausgesetzt ist, zeige den „Grund, aus dem Gott sich in diesem Menschen Jesus Christus für die Welt engagiert: weil er ergrimmt ist über die Macht des Todes und sie nicht mit einem Wunder ausräumen will, sondern indem er selbst hineingeht und so einen Raum eröffnet, aus dem man Hoffnung und Liebe und Glauben schöpfen kann.“ In dieser Botschaft liege ein Potenzial der Hoffnung: „Wir können erwarten, dass wir aus dieser Krise herauskommen, aber wir können auch hoffen, dass wir einmal aus allen Lebenskrisen herausfinden.“ Darin liege zugleich das Potenzial der Liebe, die etwa Ärzte und Pflegende als „Schützer des Lebens“ derzeit über ihre Kraft hinaus aufbrächten. Dieses Potenzial reiche weit über Grenzen von Kirche hinaus und wolle hinein in die Herzen vieler, weil alle spüren könnten, dass jetzt tiefste Menschlichkeit notwendig sei.