Bischof Genn weiht bei Chrisammesse die liturgischen Öle

Die Verbindung der Christen untereinander und ihren Auftrag in der Welt hat Münsters Bischof Dr. Felix Genn am 6. April in den Mittelpunkt der jährlichen Chrisammesse gestellt. Genn feierte die Messe im St.-Paulus-Dom Münster im Sinne der Eindämmung der Corona-Pandemie ohne Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Viele Gläubige feierten aber per Online-Live-Übertragung des Bistums Münster gedanklich mit.

Bei der Chrisammesse weiht zu Beginn der Karwoche der Bischof die liturgischen Öle für die Spendung der Sakramente. Außerdem erneuern im Rahmen der Chrisammesse für gewöhnlich Bistumspriester und Bischof ihr Weiheversprechen. Dies sowie die anschließende Begegnung des Bischofs mit den Priestern seines Bistum fielen in diesem Jahr aus.

Daran knüpfte der Bischof in seiner Predigt an, indem er sich auf den Gegensatz „ein leerer Dom und gefüllte Gefäße mit Ölen“ bezog. Jedoch: „Im Bewusstsein, dass Sie da sind, füllt sich für mich der Dom“, sagte er zu denjenigen, die die Live-Übertragung verfolgten.

Die vollen Gefäße, die biblischen Tagestexte und die vielen Mitfeiernden „bergen in sich eine Botschaft“, stellte er fest. Zur Spendung der Sakramente würden die geweihten Öle ins Bistum verbreitet werden, „um Menschen in ihrer christlichen Sendung sinnenhaft erleben zu lassen, wozu sie da sind und was ihnen geschenkt ist. Denn Gabe verbindet sich immer mit Aufgabe.“

Aus der Sendung heraus, die sich mit den Ölen verbinde, seien derzeit viele Menschen für andere da. Stellvertretend dankte Genn Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Engagierten aus Nachbarschaftshilfen sowie Seelsorgerinnen und Seelsorgern. „Wir spüren, dass etwas von diesem Chrisam überfließt auf Menschen, die nicht so sehr mit Glaube und Kirche in Verbindung stehen“, sagte er. Diese Wirkung brauche die Gesandten, die Getauften, die Gefirmten. 

In Anlehnung an ein päpstliches Schreiben sagte der Bischof, dass man in schwierigen Zeiten in Gefahr sei, vor Trauer die Dankbarkeit zu vergessen. Diese Dankbarkeit wolle er zum Ausdruck bringen und zugleich „die Freude, dass zwar der Dom leer ist, dass aber die Sendung gefällt ist durch viele, die weit über diesen Raum hinaus gehen.“ Mit ihnen allen wisse er sich verbunden, die Gott „zu Königen und Priestern gemacht“ habe. „So sind wir verbunden, wir gehören zum Münsteraner Chrisam“, sagte der Bischof, einen Sprachgebrauch seiner Trierischen Heimat aufgreifen, „lassen wir uns durch diesen Gottesdienst in Dankbarkeit stärken, die größer sein kann als alle Traurigkeit, weil der Herr uns gesalbt hat.“ 

Die Weihe der Öle nahm Genn umständehalber allein vor. Normalerweise hätten Dechanten und Definitoren aus verschiedenen Regionen des Bistums die Öle an den Altar gebracht und außerdem mit Genn die Messe zelebriert, um so die Verbundenheit des Bischofs mit den Priestern seines Bistums auszudrücken. Geweiht wurden das Katechumenen-Öl, mit dem Erwachsene gesalbt und so als Taufbewerber zugelassen werden, das Öl für die Krankensalbung sowie das Chrisam für Taufen, Firmungen, Priester- und Bischofsweihen.