Unterricht am Gymnasium St. Mauritz läuft über Bistumsplattform weiter

Die Konsistenz kann Judith Hölscher auf Grundlage des Fotos nicht endgültig beurteilen, Form und Farbe der Butter aber sagen der Lehrerin für Ernährungslehre am Gymnasium St. Mauritz in Münster zu. Obwohl die Türen des Bischöflichen Gymnasiums seit mehr als zwei Wochen verschlossen sind – der Unterricht geht weiter. Judith Hölscher, die außerdem noch Englisch und Biologie unterrichtet, lässt ihre Schülerinnen und Schüler dabei gerne experimentieren. Was liegt näher, als beim Thema Fette ihre Sechstklässler aufzufordern, selbst Butter herzustellen? „Das passt sogar gerade ganz gut, denn die Schulküche wird renoviert“, fügt sie lachend hinzu. Glücklicherweise klappt nicht nur der praktische Teil des Unterrichts so reibungslos. Bekannten Stoff wiederholen, Aufgaben stellen, Lösungswege überprüfen – wie alle 32 Bischöfliche Schulen arbeitet das Gymnasium St. Mauritz mit der Bistumsplattform „schulbistum“. 

In dem System hat jede Klasse ihren digitalen „Raum“, kommuniziert wird per Mail, Messenger oder Chat. Auch eine Konferenzfunktion ist seit kurzem verfügbar. Außerdem können Lehrende und Lernende Dateien bearbeiten und ablegen. Daneben besteht die Möglichkeit, Schultermine zu koordinieren sowie Geräte und Räume zu verwalten. Die Kolleginnen und Kollegen, die sich bisher mit der Bedienung des Programms schwer taten, wurden unmittelbar nach der Schließung des Schulbetriebs von Gregor Bernhart, dem stellvertretenden Schulleiter, und einem kleinen Kollegenteam geschult. Der Lehrer für Biologie und Sozialwissenschaften hat „schulbistum“ vor acht Jahren mitentwickelt. „Wir nutzen das System schon lange“, sagt Bernhart. „Der einzige Unterschied ist, dass jetzt gerade alle Lehrerinnen und Lehrer ihren Unterricht über die Plattform organisieren.“

Schon lange vor der Corona-Krise war das Bistum Münster als Schulträger visionär unterwegs. „Der Gedanke meiner Vorgänger war es, pädagogische Aktivitäten zu vernetzen – auch schulübergreifend –, das Lernen mit digitalen Medien zu fördern und teamorientiertes Arbeiten zu unterstützen“, erklärt Judith Henke-Imgrund aus der Abteilung Katholische Schulen im Bischöflichen Generalvikariat (BGV). Bereits 2012 ging die Lernplattform „schulbistum“ an den Start, seit 2013 wird sie von allen Bistumsschulen genutzt. „Wir waren in NRW meines Wissens der erste Träger, der eine solche Plattform flächendeckend für seine Schulen angeboten hat“, weiß die Fachfrau.

Judith Hölscher hat ihren Unterricht seit der Schulschließung als Wochenaufgabe bei „schulbistum“ angelegt. „Die Schüler haben genau eine Woche Zeit zur Bearbeitung, dann stelle ich die Musterlösungen online“, erklärt die Lehrerin. Ihr eigenes Material ergänzt sie um Audiodateien oder Lernvideos. Die Lösungen der Aufgaben laden ihre Schüler wieder hoch, Judith Hölscher überprüft die Ergebnisse. „Ich kann über die Plattform verfolgen, wer wann welche Aufgaben runterlädt, um sie zu bearbeiten“, erklärt sie. Passiere das lange nicht, hakt sie über den Chat nach. „Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, den Kontakt zu den Schülern zu halten“, sagt die Lehrerin.

Die Anforderungen und Bedürfnisse seien dabei unterschiedlich. So bräuchten ihre beiden Abiturkurse vor allem ein Gefühl von Sicherheit. „Wir klären beim regelmäßigen Videounterricht Fragen, die beim Lernen aufkommen, außerdem simulieren wir mündliche Abiturprüfungen“, beschreibt Judith Hölscher. Der digitale Unterricht für die Unterstufe habe dabei eher Projektcharakter. „Ich habe für meine Biologieklasse eine virtuelle Forscherbox mit einer Materialliste angelegt, so dass die Schülerinnen und Schüler selbst kleine Forscheraufträge ausführen können.“ Das Ergebnis wird der Lehrerin per Foto zugeschickt, wie das Bild von der Butter, das sie gerade begutachtet hat.

Nicht nur am Gymnasium St. Mauritz blieb das „Corona-Chaos“ aufgrund der etablierten Infrastruktur aus. „Aus unserer Sicht ist die Umstellung des Präsenzunterrichts zum Unterricht in digitaler Form an den Bischöflichen Schulen größtenteils reibungslos verlaufen“, berichtet Judith Henke-Imgrund. Genutzt wird die Plattform jetzt intensiver: „In den vergangenen zwei Wochen hat sich die Datenmenge auf der Plattform nahezu verdoppelt“, beobachtet sie einen Trend. Verzögerung habe es anfangs einzig durch die technische Überlastung des Systems gegeben: „schulbistum“ wird von der Firma DigiOnline betrieben, die mehrere Schulplattformen verantwortet. Durch die „Spontandigitalisierung im Bildungsbereich“ gebe es mehr Nutzer, mehr Mails – der Internetprovider muss aufrüsten. „Aber auch das wird täglich besser“, freut sich Judith Henke-Imgrund.

Tröstliche Sonntagspredigt von Bischof Felix Genn

Über eine biblische Geschichte, die „viele Fragen aufwirft, aber auch Trost zu spenden vermag“, hat am 29. März Bischof Dr. Felix Genn gepredigt und daraus Tröstliches für die gegenwärtige Situation abgeleitet. Der Bischof äußerte sich während einer Heiligen Messe im St.-Paulus-Dom Münster. Dabei waren wegen der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus keine Besucherinnen und Besucher anwesend. Die Messe wurde aber vom Bistum Münster online live übertragen.

Das Evangelium des Sonntags, den die Kirche als Passionssonntag begeht, schilderte die Auferweckung des jungen Lazarus von den Toten durch Jesus Christus. Die Erzählung passe in die aktuelle, von der Corona-Krise geprägt Situation: „Die Macht des Todes ist spürbar in der ganzen Welt, die Fesseln des Todes umringen auch uns“, sagte der Bischof und ergänzte: „Isolation ist auch einen Form des Todes und des Sterbens. Ein wenig spüren wir das, trotz allem, was wir vermögen und können.“

Bei der Frage, wie Trost in dieser Situation gelingen könne, verwies Genn auf die Schwestern des Lazarus. Deren Anfrage an Jesus „Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre er nicht gestorben“ entspreche der Frage vieler Menschen, wo Gott im Hier und Heute sei. 

Das Evangelium stelle sich dieser Frage. Mit der Auferweckung des Lazarus wolle Jesus seine Botschaft von der Auferstehung unterstreichen, er wolle „zum Glauben wecken und sagen: Ja, ich bin da, und ich bin so da, dass ihr nicht auf Dauer im Tod bleibt.“ Jesus sei da, um die Fesseln des Todes zu lösen, das begingen Christen an Ostern.

Wie Lazarus‘ Schwestern frage Jesus alle Menschen, ob sie das glauben. „Sich darauf einzulassen ist die Herausforderung in dieser Stunde“, sagte der Bischof. Jesus habe die Macht des Todes mit göttlicher Kraft gebrochen, aber nicht, in dem er mit einem Fingerschnippen das Paradies geschaffen habe, sondern „indem er selbst in den Abgrund des Todes hineingeht.“

Dass Jesus selbst erschüttert sei, weil der Mensch dem Tod ausgesetzt ist, zeige den „Grund, aus dem Gott sich in diesem Menschen Jesus Christus für die Welt engagiert: weil er ergrimmt ist über die Macht des Todes und sie nicht mit einem Wunder ausräumen will, sondern indem er selbst hineingeht und so einen Raum eröffnet, aus dem man Hoffnung und Liebe und Glauben schöpfen kann.“ In dieser Botschaft liege ein Potenzial der Hoffnung: „Wir können erwarten, dass wir aus dieser Krise herauskommen, aber wir können auch hoffen, dass wir einmal aus allen Lebenskrisen herausfinden.“ Darin liege zugleich das Potenzial der Liebe, die etwa Ärzte und Pflegende als „Schützer des Lebens“ derzeit über ihre Kraft hinaus aufbrächten. Dieses Potenzial reiche weit über Grenzen von Kirche hinaus und wolle hinein in die Herzen vieler, weil alle spüren könnten, dass jetzt tiefste Menschlichkeit notwendig sei.

Bitte helfen Sie den Menschen im Heiligen Land!

Trotz oder gerade wegen des Coronavirus und seinen Folgen: Wir dürfen die Menschen im Heiligen Land nicht vergessen. Noch mehr als sonst sind sie seit einigen Wochen in ihrem Alltag eingeschränkt. Noch mehr als sonst macht sich Hoffnungslosigkeit breit. Ausgerechnet jetzt entfällt auch noch die Palmsonntagskollekte, durch die wir den Großteil unserer Projekte und eigenen Einrichtungen finanzieren. Bitte spenden Sie trotzdem! Diesmal per Überweisung statt in den Klingelbeutel.

Unsere Kontoverbindung lautet:
Deutscher Verein vom Heiligen Lande
IBAN: DE13 3706 0193 2020 2020 10
Pax-Bank
Stichwort: Spende zu Palmsonntag

Oder spenden Sie gleich hier online: Spendenportal

Unterstützen Sie Misereor

Keine Gottesdienste, keine Kollekten – diese derzeitige Situation, die aus den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus entstanden ist, wirkt sich auch auf die Arbeit der großen Hilfswerke dramatisch aus. So wäre dem Bischöflichen Hilfswerk Misereor die Kollekte aus katholischen Gottesdiensten bundesweit am fünften Fastensonntag, 29. März, zugutegekommen. Da diese aber entfällt, bitten Misereor und die deutschen Bischöfe, die weltweite humanitäre Arbeit von Misereor auf anderen Wegen finanziell zu unterstützen.

Denn: Dem Hilfswerk, dessen Fastenaktion 2020 sich unter dem Leitwort „Gib Frieden!“ besonders für Syrien und seine Nachbarländer einsetzt, fehlen nicht nur die Einnahmen aus der Kollekte. Auch unzählige Veranstaltungen vor Ort, so wie Fastenessen, Soliläufe, Solibrotverkäufe, Coffee-Shops, Trommelreisen oder Begegnungen mit Gästen von Partnerorganisationen, müssen kurzfristig ausfallen.  

Umso dringender bittet Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, die Bevölkerung „von Herzen, unsere Arbeit in Zeiten der Corona-Krise besonders zu unterstützen“. 

Bitte zeigen Sie Ihre Solidarität mit den Schwächsten.“ Viele Menschen erführen „in der aktuellen Krise die Hilfsbereitschaft ihrer Nachbarn, Freunde und Familie. Lassen Sie uns diese Erfahrung weitertragen in Regionen des globalen Südens, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, um ihr Überleben zu sichern und Zugang zu ausreichender Nahrung, Unterkunft, Gesundheit und Bildung zu erhalten, um der Hoffnung ein Gesicht zu geben.“ Das gelte nicht zuletzt für Flüchtlinge in Syrien und im Libanon, die im Mittelpunkt der aktuellen Misereor-Fastenaktion stehen. „Sie haben all das verloren, was ein Leben in Sicherheit und Würde ausmacht“, betont Spiegel, „auf deren Seite steht Misereor und benötigt dazu Ihre Hilfe. Sie kennen Bilder aus Syrien und Libanon. Unsere Partner bleiben an der Seite der Ver-letztlichen und teilen mit ihnen Ohnmacht.“

Möchten Sie die Misereor-Fastenaktion unterstützen?

Dann nutzen Sie gerne – auf Wunsch auch anonym –das Online-Portal des Bistums Münster bei der Darlehnskasse Münster (DKM): www.bistum-muenster.de/spendenportal

Dort gibt es auch Infos zu den geförderten Projekten und der Verwendung der Spenden. Spendenquittungen können ebenfalls beantragt werden. 

Spenden an Misereor sind außerdem direkt möglich:

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10
(Pax-Bank Aachen)

Schutzpatronin gegen Seuchen steht jetzt im St.-Paulus-Dom

Dass die Figur einmal so bedeutsam werden würde, hätte Dompropst Kurt Schulte nicht gedacht. Zumal er lange gar nicht wusste, um welche Darstellung es sich handelte. Aus eher traurigem Anlass hat er ihr vor wenigen Tagen einen besonderen Platz im Altarraum des St.-Paulus-Doms in Münster eingeräumt: die heilige Corona. Die Heilige ist zwar nicht Namensgeberin des gefährlichen Virus, das derzeit die Welt in Atem hält, wohl aber Schutzpatronin gegen Seuchen.

Seit acht Jahren ist die Figur im Besitz des Dompropstes. Ursprünglich gehörte sie Familie Hellraeth aus Rees. Hermann Hellraeth war Kunstsammler, seine Frau Clara engagierte sich sozialpolitisch, baute unter anderem den Katholischen Fürsorgeverein (KFV), heute Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), im Bistum Münster auf und war als Vorsitzende 1916 Mitgründerin des Caritasverbandes für die Diözese. „Die Figur ist innerhalb der Familie vererbt worden und schließlich, als ein Umzug anstand und die neue Wohnung keinen Platz mehr für die Figur bot, mir übergeben worden“, berichtet Schulte.

Doch für Familie Hellraeth stellte die Figur nicht etwa die heilige Corona dar, sondern die heilige Elisabeth. „Sie hat etwas in der Hand, das einem Brotstück gleicht“, erklärt Schulte. Elisabeth von Thüringen wird oft mit Brot dargestellt, verwandelte sich doch, als sie Armen Brot bringen wollte, dieses in Rosen. Unsicher, ob die Annahme von der heiligen Elisabeth richtig ist, bat Schulte Domkustos Dr. Udo Grote, sich die Figur anzuschauen, der schließlich herausfand, um wen es sich wirklich handelt. „Es ist kein Brotstück, sondern eine Geldmünze“, sagt der Dompropst – ein Verweis darauf, dass die heilige Corona auch bei finanziellen Problemen angerufen werden kann.

Laut Legende soll Corona, Frau des Märtyrers Victor, nur etwa 16 Jahre alt gewesen sein, als sie vor rund 1800 Jahren den frühchristlichen Märtyrertod starb. Corona soll an zwei niedergebeugten Palmen gebunden und dann zerrissen worden sein, als diese sich wieder aufrichteten. Sie gilt unter anderem als Schutzheilige der Schatzsucher und steht für Standhaftigkeit im Glauben. Vor allem in Bayern und Österreich wird die Heilige, die andernorts auch Stephana heißt, verehrt. 

Als das Corona-Virus immer bekannter wurde, erinnerte sich Dompropst Schulte an die Heiligenfigur in seiner Wohnung. „Ich war überrascht, dass die heilige Corona auch bei Seuchengefahr angerufen werden kann“, sagt er. In Krisen wie der aktuellen komme ihr eine besonderes Rolle als Fürsprecherin zu, ist der Dompropst überzeugt und nahm dies zum Anlass, die Figur im Dom aufzustellen: „Als Heilige können wir sie anrufen und Fürsprache halten, auf dass bei all den Herausforderungen so wenig Menschen wie möglich zu Schaden kommen und wir gut mit dieser Situation umgehen.“